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Checklisten
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Was
soll ich tun, wenn ich von einem Journalisten kontaktiert
werde?
Die
Initiative bei der direkten Kontaktaufnahme Journalisten geht
häufig von den Journalisten ohne Vermittlung einer
Pressestelle aus. Es ist daher gut möglich, daß sich eines
Tages ohne Vorwarnung eine Journalistin/ein Journalist
telefonisch bei Ihnen meldet oder nach einer Tagung mit der
Bitte um zusätzliche Auskünfte oder ein Interview an Sie
wendet. Der Journalist ist auf Sie vielleicht von einer
Pressestelle oder von einem Fachkollegen aufmerksam gemacht
worden oder hat Ihren Namen einer Pressemitteilung,
Veröffentlichung oder dem Programm einer Tagung
entnommen.
Kontakte mit Journalisten sind in den meisten Fällen im
Interesse der Person oder der Unternehmung allgemein.
Zudem erfüllen Massenmedien wichtige gesellschaftliche
Funktionen im Hinblick auf die individuelle und
gesellschaftliche Meinungsbildung, die Koordination
verschiedener gesellschaftlicher Teilsysteme und die
öffentliche Kontrolle der „Mächtigen".
Zur Erfüllung dieser Funktionen sind Journalisten auf
kompetente Informationsquellen angewiesen. Journalistischer
Recherche sollte man daher grundsätzlich mit Offenheit und
Kooperationsbereitschaft begegnen. Es besteht kein Anlass,
generell misstrauisch gegenüber Journalisten zu sein.
Trotzdem kann es im Einzelfall natürlich gute Gründe geben,
das Ansinnen des Journalisten nach Informationen oder einem
Interview auch einmal abzulehnen.
Eine Garantie gegen Enttäuschungen und Frustrationen bei
Medienkontakten kann es nicht geben. Das Beachten einiger
Hinweise kann jedoch dazu beitragen, die „Risiken" der
Kommunikation mit der Öffentlichkeit zu minimieren.
Fragen,
die man sich selbst stellen und im Vorgespräch klären
sollte
- Mit
wem habe ich zu tun?
Es ist wichtig festzustellen, wer der Gesprächspartner
ist. Ist er freier Journalist oder angestellter Redaktor?
Für welche Zeitung, Zeitschrift oder Rundfunkanstalt und
für welche Redaktion arbeitet er? Handelt es sich um
einen Wissenschaftsjournalisten oder ist er für ein
anderes Ressort tätig? Bin ich bereit, ihm zu vertrauen
und beispielsweise Hintergrundinformationen „off
therecord" zu geben oder seinen Angaben über die
Verwendung der Informationen zu glauben?
- Welches
Anliegen hat der Journalist?
Man sollte sicherstellen, daß man versteht, was der
Journalist beabsichtigt und erwartet. An welchem Artikel
oder welcher Sendung arbeitet der Journalist? Möchte er
nur eine Auskunft oder Hintergrundwissen, ohne die
Absicht, die Person zu zitieren? Sucht er zitierfähige
Äusserungen zu einem Thema? Möchte er ein plakatives
Statement von drei Sätzen oder eine ausführliche
Erklärung? Will er mit mir ein Interview vor laufender
Kamera oder ein telefonisches Live-Interview vereinbaren
oder mich für eine Sendung (Talkshow, Diskussionsrunde
usw.) ins Studio einladen?
- Worüber
sucht der Journalist Informationen und wie hat er das
Thema vorstrukturiert?
Sorgfältig ist zu ermitteln, über welchen
Themenbereich der Journalist recherchiert oder einen
Interviewpartner sucht. Dabei ist zu berücksichtigen,
daß sich die Themendefinitionen aus Sicht von Laien
(Journalisten) und Profis oftmals unterscheiden. Ein Thema
aus Sicht der Journalisten umfasst fast immer auch die
politischen, ökonomischen und sozialen Aspekte und nicht
nur die wissenschaftlichen und technischen. Man sollte
daher immer mit der Möglichkeit rechnen, dass die
journalistische Abgrenzung eines Themas nicht mit der
eigenen Definition übereinstimmt.
- Welche
Rolle soll ich innerhalb des Beitrags übernehmen?
Werde ich als Experte wegen meiner spezifischen
Fachkompetenz oder aber als Repräsentant eines grösseren
Projekts, einer Organisation, eines Verbandes oder eines
Gremiums wegen meiner Zuständigkeit aufgesucht?
- Worüber
kann und will ich Informationen vermitteln und wie
sieht meine Position in Kontroversen aus?
Um Fragen von vornherein zu vermeiden, auf die Sie im
Interview die Antwort schuldig bleiben müssen, ist dem
Journalisten deutlich zu signalisieren, worüber Sie
kompetent Auskunft geben können und wollen - und worüber
nicht.
Leitfragen
für die Entscheidung, ob und wie man kooperiert
1.
Bin ich der „richtige" Ansprechpartner/Experte?
Selbstkritisch
sollten Sie prüfen, ob Sie für das in Frage stehende Thema
tatsächlich der „richtige" Interviewpartner für den
Journalisten sind. Dazu gehört die Frage nach der eigenen
Fachkompetenz, der arbeitsrechtlichen und faktischen
Legitimation, eine Sprecherrolle wahrzunehmen, nach der
Bereitschaft, sich auf die Regeln des jeweiligen Mediums und
die Erwartungen des Journalisten einzulassen, der
Medienkompetenz sowie nach der eigenen Unabhängigkeit.
Soweit es Zweifel gibt, sollte man diese dem Journalisten
darlegen und z.B. die Quellen und Grenzen der eigenen
Kompetenz deutlich machen sowie ungefragt auf mögliche
Interessenkollisionen hinweisen. Man tut sich selber, dem
Journalisten und dem Medienpublikum keinen Gefallen, wenn man
sich öffentlich als Experte für ein Thema profiliert, mit
dem man nur am Rande vertraut ist, obwohl einschlägigere
Experten verfügbar wären. Zur Professionalität
gehört, seine eigenen Grenzen zu erkennen und Journalisten
auf für das Thema besser geeignete Kollegen
hinzuweisen.
2. Ist der Journalist, sein Medium und sein Produkt ein
angemessenes Forum für meine „Botschaft", meine
Persönlichkeit und meine rhetorischen Fähigkeiten?
Zu
berücksichtigen sind hier z.B. die Zielgruppe der Sendung
oder Zeitung/Zeitschrift, die Darstellungsformen des Mediums
und die Fairness des Journalisten. So sollten Sie
beispielsweise mit angstbesetzten Themen nicht unbedingt in
Sendungen oder Zeitschriften gehen, die auf starke
Emotionalisierung setzen. Ethisch heikle Themen, die eine
differenzierte Darstellung und die Darlegung von
Güterabwägungen verlangen, werden Sie nicht unbedingt in
Sendungen oder Zeitungen thematisieren wollen, die für
plakative Schwarz-Weiss-Malerei bekannt sind. Und wenn Sie ein
introvertierter ruhiger Wissenschaftler sind, dann sollten Sie
sich nicht als Teilnehmer für eine lautstarke und kontroverse
Fernsehdebatte rekrutieren lassen, in der Sie ohne
Unterstützung durch den Moderator Ihr Rederecht gegen die
Kontrahenten selbst erkämpfen müssen.
3.
Sind Rechte/Interessen Dritter (Arbeitgeber, Auftraggeber,
Projektpartner/ Kollegen) betroffen, die ich berücksichtigen
muss?
Hierbei sind (arbeits-)rechtliche Fragen sowie Fragen der
Fairness angesprochen. Sie sollten Ihre rechtliche und
faktische Legitimität prüfen, Auskünfte zu erteilen. In
Organisationen sind üblicherweise Sprecherrollen bei den
Organisationsleitungen bzw. von diesen beauftragten
„Pressesprechern" angesiedelt. Soweit der Journalist
Auskünfte über organisationsbezogene Sachverhalte haben
möchte, ist auf die Pressestelle zu verweisen bzw. mit dieser
Rücksprache zu nehmen. Ähnliche Zurückhaltung ist bei
vertraulichen Informationen beispielsweise in Zusammenhang mit
Auftragsforschung oder Patentierungsvorhaben angebracht.
Schliesslich ist das Hausrecht zu beachten und üblicherweise
eine „Drehgenehmigung" einzuholen, bevor Sie z.B. ein
Fernsehteam auf ein privates Gelände einladen.
4. Welche Kompromisse sind akzeptabel?
Kommunikation über Medien erfolgt fast nie völlig nach den
Vorstellungen der Informationsquellen. Darauf zu bestehen
hiese praktisch, sich der öffentlichen Kommunikation zu
verweigern - und damit das Feld den weniger skrupulösen
Akteuren zu überlassen. In der Praxis sind daher Kompromisse
bezüglich der drei erstgenannten Punkte notwendig. So
kann die Auskunftsbereitschaft nicht immer an den Grenzen der
speziellen Fachkompetenz enden, sondern muß häufig auch die
Vermittlung von Überblickswissen einschließen. Die
journalistischen Regeln für die Auswahl und Darstellung von
Informationen für die Informationsvermittlung an ein
Laienpublikum haben ihren Sinn; sie lassen sich nicht ohne
weiteres durch die Regeln binnenwissenschaftlicher
Kommunikation ersetzen. Und allzugroße Ängstlichkeit
hinsichtlich der Reaktion des Arbeitgebers oder der
Fachkollegen auf einen Medienauftritt würde zur Selbstzensur
führen und damit Ihre Glaubwürdigkeit als unabhängiger und
kompetenter Wissenschaftler gefährden.
Dafür, welche Kompromisse akzeptabel sind, lassen sich keine
allgemeingültigen Regeln aufstellen. Je nach Themenfeld,
Persönlichkeit und Position des Wissenschaftlers, Erwartungen
der wissenschaftlichen Community und des Arbeitgebers wird man
die Grenze für „akzeptable" Kompromisse enger oder
weiter ziehen. Gefordert ist hier letzlich Ihr reflektiertes
Urteil im Einzelfall.
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