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Medientraining


Interview: Zehn Todsünden
  1. Sie lassen sich von der Stimmung und von evtl. gespielten Emotionen des Interviewers leiten.

    Achtung: Auch wenn der Journalist der Anwalt des Publikums ist, so sollen Sie das Publikum, nicht ihn überzeugen.

  2. Sie antworten mit vielen Fremdwörtern, Fachtermini und "lnsider"-Sprache.

    Achtung: Sie sollen einfach und verständlich formulieren, plastische Beispiele herausgreifen. Interviews sollen einem breiten Publikum Ihre subjektive Meinung vermitteln.

  3. Ist das Interviewthema Ihr Thema?

    Achtung: Vor laufender Kamera brach schon ein hochdotierter, erfolgsverwöhnter Unternehmensvertreter zusammen, da er zu einem Thema Stellung nahm, das nicht sein Thema war. Profilierungssucht hat bei Interviews wenig zu suchen.

  4. Geben Sie auch Fehler zu?

    Achtung: Intellektuelle Redlichkeit und unternehmerische Ehrlichkeit erfordern, dass man sich zu den Verfehlungen der Vergangenheit bekennt.

  5. Haben Sie sich gründlich genug vorbereitet?

    Achtung: Das Interview vor laufender Kamera wird immer noch eine Spur härter sein als Ihre beste Vorbereitung.

  6. Schützen Sie sich niemals durch Schutzbehauptungen, wenn Sie ein Interview zurückziehen wollen.

    Achtung: Ein beliebter Vorwurf gegenüber Journalisten und journalistischen Gesprächspartnern besteht häufig in der Behauptung, das Interview sei manipuliert worden, Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden, oder Weglassungen wären erfolgt. Solche Behauptungen der Interviewpartner lösen oft zeitraubende und höchst ärgerliche Nachuntersuchungen, Stellungnahmen, Schriftwechsel und Beschuldigungen aus und zerstören nachhaltig das Umgangsklima mit dem Journalisten. Deshalb: Wenn Sie das Interview zurückziehen, dann machen Sie es sauber.

  7. Lassen Sie sich niemals damit vertrösten, dass das aufgenommene Interview aus technischen Gründen nicht wieder abgespult werden kann.

    Achtung: Bei Aufzeichnungen ist das Vorführen mit Bild und Ton möglich, bei Filmproduktionen kann das Tonband abgespielt werden. Lassen Sie sich darüber informieren, welche Passagen des Interviews für die Sendefassung herausgeschnitten werden sollen und welche Korrelation zwischen dem aufgenommenen Interview und der geplanten Sendezeit bestehen.

  8. Lassen Sie sich nie vorschreiben, welche Aussagen verwertet werden.

    Achtung: Bestehen Sie darauf, dass die Ihnen wichtigen Kernaussagen im Interview erhalten bleiben.

  9. Reden Sie ein Wort mit beim Aufnahmeort und dem optischen Hintergrund.

    Achtung: Achten Sie darauf, dass das Interview an einem Ort durchgeführt wird, wo der optische Hintergrund stimmig ist und nicht zufällige Nebenaussagen getroffen werden oder eine scheinbare Distanz von der Aussage durch die Optik aufgebaut wird.

  10. Lassen Sie bei jedem Interview einen unbeteiligten Beobachter (möglichst Pressesprecher) bei dem Gespräch zugegen sein.

Achtung: Dieser unparteiische Parteiische sorgt dafür, dass ein zusätzlicher Zeuge anwesend ist, und kann Ihnen bestens ein (ehrliches!) Feedback geben.



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